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Islandpferde reiten – was anders ist, was du lernen musst

Wer aus dem klassischen Reiten kommt, muss umlernen, wenn er Islandpferde reiten will. Der Tölt sitzt sich anders, das Pferd reagiert anders, der ganze Bewegungsfluss ist anders. Bernhard Podlech, der auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein bei Meidelstetten 140 Tiere stehen hat, hat Tausende Reiter erlebt, die genau diesen Übergang gemacht haben.

Warum überhaupt Islandpferde reiten

Das Islandpferd hat mehr Gangarten als andere Pferde. Neben Schritt, Trab und Galopp kommen Tölt und beim Fünfgänger der Rennpass dazu. Diese zusätzlichen Gangarten sind nicht Show, sie sind Funktion. In Island war das Pferd bis 1950 das einzige Reisemittel, und auf langen Strecken über karges Gelände war ein bequemer Pferderücken überlebenswichtig.

Bernhard Podlech beschreibt das so: „Das Islampferd ist einfach aus der Zucht und aus der Geschichte heraus ein sehr starkes und robustes Pferd, weil es in Island das einzige Lastentier war oder die einzige Reisemöglichkeit war.“ Das macht das Tier bis heute zum Reitpferd, das Komfort und Leistung in einem bietet.

Der Tölt, das Hauptargument

Im Tölt liegt der eigentliche Grund, warum so viele Menschen anfangen, Islandpferde zu reiten. „Der Tölt, das kann man sich vorstellen, das ist eine sehr bequeme Gangart“, sagt Bernhard. „Das ist sozusagen wie wenn das Pferd Schritt geht, nur dass es eben auch bis ins hohe Tempo diese Schrittfolge oder Fußfolge gehen kann.“

Der Unterschied zum Trab oder Galopp liegt im Bewegungsablauf. „Im Trab oder im Galopp hat man immer eine Schwebephase, also das Pferd verlässt immer kurz mit allen Vieren auch den Boden, und das ist im Tölt nicht der Fall.“ Dadurch sitzt der Reiter ruhig im Sattel, auch bei hohem Tempo. Wer Rückenprobleme hat oder lange Strecken reiten will, findet im Tölt das, was andere Pferde nicht bieten.

Im Tölt wird nicht aussessen, sondern durchgesessen. Die Reiterhüfte folgt der Bewegung, ohne aktiv mit auf und ab zu gehen. Wer aus dem Trab kommt, neigt dazu, automatisch zu leicht zu traben. Im Tölt geht das nicht. Diese Umstellung ist die größte Herausforderung am Anfang.

Andere Reithaltung

Beim Islandpferde Reiten ist die Reithaltung etwas anders als bei anderen Rassen. Da das Pferd kleiner ist, hat der Reiter einen tieferen Schwerpunkt. Der Fuß sitzt etwas weiter vorne, der Oberkörper ist gerader, die Hände werden oft ein wenig höher getragen, um das Pferd in der Versammlung zu halten. Wer aus der Dressur oder dem Springen kommt, muss diese Anpassungen bewusst trainieren.

Auch die Hilfen werden feiner. Bernhard Podlech beschreibt das Ausbildungsziel: „Sodass die Kommunikation immer feiner wird und das Pferd auf die kleinsten Hilfen reagiert, das macht einfach unheimlich Freude.“

Vom Anreiten bis zum geübten Reiter

Auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein werden die Pferde erst mit vier Jahren eingeritten. Davor bauen die Tiere Knochen, Muskeln und soziale Kompetenz auf. Das Anreiten selbst ist ein behutsamer Prozess, der oft mehrere Monate dauert. Erste Sattelarbeit, erste Schritte unter dem Reiter, langsamer Aufbau der Gangarten.

Bernhard beschreibt diese Phase als die spannendste. „Mit dem Pferd dann eben von Grund auf alles ihm beizubringen und nachher ein tolles Reitpferd zu haben, das ist eigentlich so das, was die Arbeit wirklich spannend macht und was mir besonders Freude bereitet.“

Für den Reiter, der Islandpferde reiten lernen will, gibt es heute spezialisierte Reitlehrer, Schulen, Kurse. Die meisten Islandpferde-Reiter haben einen Reitlehrer, der selbst auf der Rasse zuhause ist und die Töltmechanik im Detail vermitteln kann. Wer aus dem klassischen Reiten umsteigt, braucht oft mehrere Monate, bis der Tölt entspannt sitzt.

Im Gelände unterwegs

Das Islandpferd ist ein Geländepferd. Trittsicher, wetterfest, ausdauernd. Bernhard Podlech sagt: „Wenn man so ein Pferd hat und dann bei schönstem Wetter ausreiten gehen kann, dann gibt es eigentlich nichts Schöneres im Leben.“

Auf der Schwäbischen Alb, mit ihrer offenen Landschaft, den Wacholderhängen und den weiten Feldern, kommt das gut zur Geltung. Wer einmal im Tölt über eine Hochebene geritten ist, versteht, warum diese Rasse so viele Anhänger hat.

Sport und Wettkampf

Im Islandpferdesport gibt es eigene Disziplinen. Töltprüfungen, Viergangprüfungen, Fünfgangprüfungen, Rennpassprüfungen. Bernhard Podlech ist 2019 in Berlin Vize-Weltmeister im Tölt geworden. Er beschreibt die Vorbereitung so: „Eine tolle Sache, weil man seine Arbeit auch überprüfen kann und sehen kann, welchen Stand haben wir gerade, was funktioniert schon gut und was noch nicht.“

Wichtig ist ihm, dass der Sport ein Miteinander ist, nicht ein Einzelkämpfertum. „Der Sport mit dem Pferd ist ein Teamsport, das kann man so sagen. Es geht nicht nur um einen selber, sondern der Partner muss auch mit dabei sein und mitmachen.“ Mehr unter Islandpferde Gangart und im Pillar Islandpferde.

Reiten lernen für Erwachsene

Viele Erwachsene fangen erst spät mit dem Reiten an, oft auf Islandpferden, weil die Rasse als gutmütig und kompakt gilt. Wer mit 30, 40 oder 50 Jahren ins Sattel will, findet im Islandpferd ein Tier, das mit dem Reiter wächst. Mehr unter Reiten lernen und Reiten lernen für Erwachsene.

Islandpferde reiten, kurz zusammengefasst

Es ist anders als klassisches Reiten. Der Tölt verändert die ganze Mechanik. Die Hilfen werden feiner, die Reithaltung passt sich dem kleineren Pferd an, die Gänge sind variabler. Wer einmal im Tölt geritten ist, will oft nicht mehr zurück. Aber der Einstieg braucht Geduld und idealerweise einen Reitlehrer, der die Rasse kennt. Wer das mitbringt, findet im Islandpferd ein Reitpferd, das in Komfort, Vielseitigkeit und Charakter schwer zu schlagen ist.


Bernhard Podlech ist Pferdewirtschaftsmeister auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein, Vize-Weltmeister im Tölt und Reitausbilder. Das ganze Gespräch mit Bernhard Podlech gibt es bei pekuu audiostories.